AG meeting 2017

Kolloquium des Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft

Colloquium of the Working Group History of Astronomy in the Astronomical Society (in German)

Astronomie und Astrologie im Kontext von Religionen

Zeit: Montag, 18. September 2017, 09:00-18:00 Uhr
Ort: Historische Sternwarte, Roter Saal, Geismar Landstraße 11, 37083 Göttingen

Scientific Organizing Committee: Klaus-Dieter Herbst (Jena), Gudrun Wolfschmidt (Hamburg), Thomas Posch (Wien)

Local Organizing Committee: Gudrun Wolfschmidt (Hamburg), Klaus Reinsch (Göttingen)

Einführung in das Thema des AKAG

Die Betrachtung der Natur, insbesondere der kosmischen Objekte, brachte schon sehr früh die Astronomie und Astrologie hervor. Bereits im Altertum beeinflußten diese Bereiche menschlichen Wissens und Handelns auch die religiösen Überzeugungen der Menschen. Die Religionen - genannt seien Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Parsismus, Judentum, Christentum und Islam - trugen ihrerseits mit ihren Glaubensgrundsätzen zum Fundament der sich entwickelnden Wissenschaften bei. Die enge Verzahnung von Astronomie und Astrologie einerseits mit einer Religion andererseits wurde in der Forschung zur Wissenschaftsgeschichte besonders mit Beispielen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert demonstriert. Erinnert sei exemplarisch an die theologische Dimension von Keplers kosmologischer Sicht, die Welt als Kugel zu sehen: "An der Kugeloberfläche offenbart sich in der Abbildung des dreieinigen Gottes ein trinitarischer Symbolismus".[1] Kepler führte diese Symbolik fort auch mit Bezug auf die Sonne als Quelle der Bewegung im Zentrum des Universums, die er als Abbild Gottes und dessen Schöpfung ansah. Sprachlich wurde diese Verzahnung sichtbar, als man im 18. Jahrhundert den Begriff der "Physikotheologie" prägte. Naturforschung und Gotteserkenntnis gingen damals zusammen.

Bezogen auf Europa wurde in der Geschichtsforschung konstatiert, daß sowohl kirchenpolitische Umbrüche mit einer Veränderung des religiösen Glaubens (Reformation und Gegenreformation) als auch einzelne wissenschaftliche (zunächst vornehmlich astronomische) Neuerungen und Entdeckungen (erinnert sei an jene von Copernicus, Brahe, Kepler, Galilei und Marius) die weitere religiöse, soziale und politische Entwicklung maßgebend beeinflußten.

Auf dem Kolloquium sollen Fallanalysen vorgestellt werden, die aufzeigen, ob bzw. wie Transferleistungen von religiösen/m Methoden/Wissen in astronomische/s bzw. astrologische/s Methoden/Wissen und umgekehrt stattfanden. Bezogen auf das Verhältnis von Naturwissenschaft und Christentum mit der Reformation von 1517 wurde bei diesem Problemkreis der Transferleistungen ein Forschungsdesiderat festgestellt.[2] Mit der Fokussierung auf Astronomie und Astrologie soll auf dem Kolloquium beigetragen werden, dieses Desiderat zu verringern. Die Astrologie ist hier ausdrücklich mit zu beachten, denn "Religion und Magie und die letztlich auf magischen Vorstellungen beruhende Astrologie in der Praxis" läßt sich in der voraufklärerischen Zeit "keineswegs deutlich voneinander unterscheiden".[3]

Erwünscht sind auch Beiträge, die sich mit den außereuropäischen Religionen und ihren Wechselwirkungen mit Astronomie[4] und Astrologie[5] beschäftigen. Hier kann z.B. angeknüpft werden an die Arbeiten über islamische Gelehrte und ihr Schrifttum[6] sowie zur Wissenschaft in China, wo Taoisten Anteil an der astronomischen Forschung hatten.[7] Besonders wertvoll sind die Beiträge, die auf aktuellen Forschungen im Sinne von Fallanalysen beruhen oder die einen fundierten Überblick zu einer übergreifenden Problematik geben.

Vorschläge für einen Vortrag sind bis spätestens 30. April 2017 per E-Mail mit einer einseitigen Zusammenfassung (Umfang ca. 3000 Zeichen) an eines der drei Mitglieder des wissenschaftlichen Organisationskomitees (Gudrun Wolfschmidt, Klaus-Dieter Herbst und Thomas Posch) zu richten.

    [1] Volker Bialas: Johannes Kepler. München 2004, S. 83.
  • [2] Christoph Meinel: Reformation(en) und Wissenschaft(en). In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 26 (2003), S. 81-88, bes. S. 83.
  • [3] Kaspar von Greyerz: Religion und Kultur. Europa 1500-1800. Darmstadt 2000, S. 13.
  • [4] Vgl. Helaine Selin (Hg.): Astronomy across cultures: the History of Non-Western Astronomy. Dordrecht, Boston und London 2000.
  • [5] Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 2003.
  • [6] Vgl. Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Bd. 6: Astronomie. Leiden 1978. Bd. 7: Astrologie - Meteorologie und Verwandtes. Leiden 1978.
  • [7] Joseph Needham: Science and civilisation in China. Cambridge 1959, S. 171.

Die Vorträge der Tagung sollen in einem Proceedings-Band publiziert werden.

Anmeldung

Für die Teilnahme an dem Kolloquium ist eine Anmeldung über das Registrierungsformular für die Tagung der Astronomischen Gesellschaft erforderlich. Die Tagungsgebühr beträgt 30 € für die ausschließliche Teilnahme am Kolloquium des AKAG (Registration Type: Working Group History of Astronomy Only). Für registrierte Teilnehmer der AG-Tagung (Registration Type: Day Pass oder Full Week) ist die Teilnahme am Kolloquium des AKAG im Tagungsbeitrag enthalten.

Eine Kopie der Anmeldung mit Informationen zur Teilnahme an

  1. Stadtrundgang/ Besichtigung Sammlung historischer Instrumente der Astrophysik
  2. Abendessen am Sonntag im Restaurant
wird für die Planungen und Reservierungen bis 30. Juli 2017 per E-Mail an Gudrun Wolfschmidt erbeten.

Weitere Informationen der Organisatoren und detailliertes Programm des Kolloquiums